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Einfach winken und nicken: Die Grenzen von Business Englisch

Wenn alle nicken, aber niemand das eigentliche Problem anspricht

Viele internationale Meetings verlaufen erstaunlich ähnlich:

  • ein Problem soll besprochen werden
  • mehrere Personen könnten sich kompetent dazu äußern 
  • doch es entscheiden sich alle dafür lieber nichts zu sagen.

Das eigentliche Problem bleibt ungelöst, weil sich niemand zutraut, es spontan und präzise auf Englisch zu erklären.

Genau darin liegt eine der größten, aber am seltensten offen angesprochenen Grenzen von Business Englisch. In vielen Unternehmen wird stillschweigend davon ausgegangen, dass internationale Zusammenarbeit funktioniert, sobald alle Beteiligten grundsätzlich Englisch sprechen können. Doch zwischen „sich verständigen können“ und „komplexe Probleme unter Druck klar formulieren können“ liegt ein enormer Unterschied.

Das Problem ist selten fehlendes Fachwissen

Besonders deutlich wird das in Situationen, in denen es schnell gehen müsste. Ein Mitarbeiter erkennt beispielsweise während eines Calls, dass ein technisches Problem wahrscheinlich mit einer bestimmten Schnittstelle zusammenhängt. Auf Deutsch könnte er die Ursache sofort erklären, Rückfragen beantworten und das Thema in wenigen Minuten sauber eingrenzen. Auf Englisch hingegen fehlt schlicht die Sicherheit, komplizierte Zusammenhänge spontan und verständlich auszudrücken. Also entscheidet man sich lieber zu schweigen.

Für Außenstehende wirkt das oft wie Zustimmung, Desinteresse oder mangelnde Kompetenz. Tatsächlich steckt dahinter jedoch häufig etwas völlig anderes: sprachliche Unsicherheit in komplexen Situationen.

Führungskräfte unterschätzen die Belastung

Das Problem verschärft sich zusätzlich dadurch, dass viele Führungskräfte selbst sehr gut Englisch sprechen und deshalb kaum noch wahrnehmen, wie anstrengend internationale Kommunikation für große Teile der Belegschaft tatsächlich ist. Wer täglich auf Englisch präsentiert, verhandelt oder reist, verliert leicht das Gefühl dafür, wie viel mentale Energie Fremdsprache im Arbeitsalltag kostet.

Für viele Mitarbeitende bedeutet ein englisches Meeting nämlich nicht einfach nur Kommunikation, sondern gleichzeitig

  • möglichst viel zu verstehen,
  • die Teile zu ignorieren, die man nicht vollständig verstanden hat,
  • permanent zu überlegen, was man eigentlich sagen möchte, und
  • anschließend auch noch die richtigen englischen Formulierungen dafür zu finden – alles unter Zeitdruck und während das Gespräch längst weiterläuft.

Dadurch verändert sich das Verhalten von Menschen erheblich. Diskussionen werden oberflächlicher geführt, Probleme weicher formuliert und kritische Punkte oft erst viel später angesprochen, als es eigentlich notwendig wäre. In deutschen Meetings würden viele Mitarbeitende deutlich direkter formulieren: „Das funktioniert so nicht“, „Da verlieren wir Zeit“ oder „Das Risiko ist zu hoch.“ In englischen Meetings wird plötzlich viel nicht gesagt. 

Die fünfte E-Mail statt eines kurzen Anrufs

Noch sichtbarer werden die Folgen im täglichen Projektgeschäft. Eigentlich könnte ein kurzes Telefonat viele Probleme innerhalb weniger Minuten lösen. Stattdessen entstehen endlose E-Mail-Ketten mit immer neuen Rückfragen. Schriftliche Kommunikation ermöglicht einfach mehr Sicherheit. Man kann Formulierungen prüfen, Übersetzungstools nutzen oder Antworten mehrfach überdenken. Ein spontaner Anruf auf Englisch fühlt sich dagegen für viele wie ein Escape Game an. Man weiß nicht, ob man es überlebt.

Internationale Zusammenarbeit scheitert deshalb selten an Grammatikfehlern. Sie scheitert viel häufiger daran, dass Menschen komplexe Gedanken nicht schnell genug, sicher ausdrücken können. Und genau das verändert Entscheidungen, Meetings und letztlich die Qualität der Zusammenarbeit.

Internationale Teams brauchen sprachliche Sicherheit

Unternehmen unterschätzen diesen Zusammenhang häufig massiv. Sie investieren in internationale Strukturen, globale Teams und englischsprachige Prozesse, ohne sich ehrlich zu fragen, ob ihre Mitarbeitenden tatsächlich in der Lage sind, in kritischen Situationen klar und souverän auf Englisch zu kommunizieren. Denn genau dort entscheidet sich, ob Business Englisch im Unternehmen wirklich funktioniert – oder ob am Ende zwar alle nicken, aber niemand das ausspricht, was ausgesprochen werden musst.

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