
Wer kennt den Overhead-Projektor nicht mehr aus Schulzeiten? Und vor allem die vielen Kopien, die man bekommen hat? Auch wenn bei manchen vielleicht ein bisschen Wehmut über die gute alte Zeit aufkommt, heute funktionieren Online-Training anders. Es wird professionell am Bildschirm gearbeitet und der Trainer/In kann sogar live den Lernfortschritt sehen. Heute soll es darum gehen, welche Tools wir genau im Unterricht benutzen und was unsere persönlichen Highlights sind.
Die Pandemie hat sich da als echter Innovations-Turbo erwiesen und zahlreiche technische Möglichkeiten für die Gestaltung des Trainings ermöglicht. Es gibt so viele Lernapps zum Üben und Vokabel lernen, dass man gar nicht weiß, wo man anfangen soll. In der Pandemie hatten wir unter uns Trainern praktisch einen kleinen Wettlauf, welcher Trainer/In wieder ein schönes, neues Tool gefunden hatte.
Das Grundgerüst für den Unterricht besteht bei uns aus drei Komponenten:
Die Lerninhalte gehören natürlich auch dazu, was aber heute nicht unser Thema ist.
Vokabeltrainer kennen wir von früher noch als Karteikarten. Heute nutzen wir digitale Vokabeltrainer wie Quizlet, die genauso funktionieren – nur eben auf dem Bildschirm. Die Plattform bietet die Möglichkeit, eigene Lernsets für jeden Kurs anzulegen. Dabei können auf einer Seite englische Wörter und auf der anderen Seite beispielsweise Bilder, Übersetzungen oder Definitionen angezeigt werden. Das Lernen mit Quizlet ist damit nicht nur effektiv, sondern auch sehr abwechslungsreich. In der Pro-Version gibt es sogar eine Quiz-Funktion, bei der die Teilnehmer/innen nicht gegeneinander, sondern miteinander spielen. Besonders schwächere Teilnehmer/innen fühlen sich dann nicht so exponiert, wenn sie bei normalen Quizzes wie Kahoot! ganz unten im Ranking stehen.
Es ist im Onlinetraining verlockend einfach eine Powerpoint zu zeigen. Aber das wird oft als eintönig empfunden. Bei einem guten Fremdsprachenunterricht bekommen die Teilnehmer/Innen viel Raum zum Sprechen, aber auch zum Üben. Am besten lernt man eben, wenn man Übungen direkt am Bildschirm erledigt. Eine unserer Favoriten ist Wordwall. Die Plattform bietet nicht nur die Standards wie Lückentexte, Kreuzworträtsel und Zuordnungsaufgaben, sondern auch Spiele wie Galgenmännchen, Anagramme oder eine Art Pacman-Spiel. Dabei ist die Aufmachung der Übungen sehr ansprechend und die Teilnehmer/innen haben Spaß daran, ihre Englischkenntnisse spielerisch zu verbessern. Für Trainer ist natürlich besonders fein, dass man die Übungen sowohl im Onlineunterricht, als auch mit einem Klick als Papier-Arbeitsblatt ausdrucken kann.
Ein Nachteil des Online-Unterrichts ist, dass die Teilnehmer/Innen nicht immer ein Buch vor sich liegen haben, auf das wir schnell zurückgreifen können. Wenn die Stunde vorbei ist, bekommen sie das Material per E-Mail und haben es dann unsortiert im Postfach liegen. Dafür nutzen wir eine digitale Pinnwand wie Taskcards. Dort können wir Übungen sammeln und zur Verfügung stellen. Die Plattform ist DSGVO-konform und bietet eine gute Möglichkeit, das Material übersichtlich zu strukturieren.
Bei der Vielzahl an Apps haben wir in der Vielzahl der Möglichkeiten sogar ein wenig den Überblick verloren. Es gibt nicht nur zahlreiche Einzeltools. Die Buchverlage habe alle separate Lernplattformen, die unterschiedlich lang nutzbar sind, unterschiedliche Features beinhalten und nur im Zusammenhang mit einem Buch nutzbar sind.
Das Trainerherz wünscht sich da die eierlegende-Wollmilchsau – ein Tool, dass alle Wünsche erfüllt. Die Anwendung, die am ehesten an das Ideal kommt, ist Nearpod, bei der man die Teilnehmer durch eine Präsentation führt, die mit Übungen und Quizzes gespickt ist. Das Besondere daran ist, dass man die Aktivität der Teilnehmer am Bildschirm mitverfolgen und beurteilen kann, was verstanden wurde und was nicht. Kein Wunder, dass dieses Tool während der Pandemie an Schulen in den USA zum Einsatz gebracht wurde und im Jahr 2021 für 650 Millionen US-Dollar verkauft wurde.
Abschließend kann ich sagen, dass es nie langweilig wird und es immer neue Möglichkeiten für den Onlineunterricht gibt. Das macht es auch für Trainer/In spannend, weil man nicht wie früher in der Schule die gleiche Overhead-Folie für die nächsten 10 Jahre benutzt. Die Kehrseite ist, dass wir viel Zeit und Geduld in die neuen Tools stecken. Aber lieber abwechslungsreich als langweilig.
*Der Artikel ist ein Erfahrungsbericht und wir bekommen keine Vergütung dafür. Die Tools nutze ich alle in der Bezahlvariante. Manche Funktionen sind in der Gratisvariante eingeschränkt.